Geburtsjahr: 1910
Geburtsort: Laufen
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Leben

Irma Rafaela Toledo wurde 1910 in Laufen als Irma Friedmann geboren. Freilassing, Übersiedlung nach Salzburg

Sie heiratete 1931 den nichtjüdischen Franz Schmeisser und führte mit ihm in Freilassing ein Geschäft. Nach der Machtergreifung Hitlers im Jahr 1933 zog das Ehepaar mit den Kindern nach Salzburg.

Anschluss und Krieg

Ab 1938 waren sie infolge des Anschlusses Österreichs an Hitlerdeutschland erneut bedroht.
Nun meldete sich Irma Toledos Mann freiwillig zur Wehrmacht, um einer zwangsweisen Dienstverpflichtung an der Ostfront zu entgehen. Er kam als Funker nach Narvik.
Bei einem Spaziergang während eines Fronturlaubes wurde das Paar von einem rabiaten Nazi angepöbelt. Er drohte Frau Toledo sie anzuzeigen, weil sie als ‚Saujüdin‘ mit einem Wehrmachtssoldaten eingehängt spazieren gehe.

Franz Schmeisser wurde von der Wehrmacht bald wieder entlassen, da er alles unternommen hatte um aus gesundheitlichen Gründen als untauglich zu gelten.

Zurück in Salzburg wurde er mehrfach aufgefordert, sich von seiner ’nichtarischen‘ Frau scheiden zu lassen. Nach seiner beharrlichen Weigerung wurde er zur Strafarbeit in das Arbeitslager Gera gebracht. Von da an lebte Irma Rafaela Toledo in Todesangst. Sie dachte sogar an Selbstmord, um den Mann und die Kinder zu retten. Jedes Treppenknarren konnte das Ende bedeuten. Nun wurde auch sie zu Zwangsarbeit verpflichtet und musste Uniformen nähen. Die Kinder brachte sie bei Bauern unter.

Flucht vor der Gestapo

Als bei Franz Schmeisser TBC diagnostiziert wurde, wurde er entlassen und kam nach Salzburg zurück.

1944 tauchte die Gestapo auf und wollte Irma Toledo zur Deportation abholen. Zum Glück war sie zu diesem Zeitpunkt nicht in der Wohnung. Nachdem sie von ihrer Vermieterin, einer NSDAP-Angehörigen, informiert worden war, übersiedelte sie mit ihrer ganzen Familie in ein ‚Zuhäusl‘ bei einem Bauern auf dem Schlenken (Rengerberg). Dieses Zuhäusl hatte die Familie schon längere Zeit als Ferienhaus gemietet.

Leider war die dort erhoffte Sicherheit ein Trugschluss, denn die Gegend um den Schlenken war auch bei den Nazis beliebt. Nahe Zillreith auf dem Höhenrücken Richtung Krispl lag die ‚Treuvolkhütte‘. Diese gehörte der national orientierten Wandervogelbewegung, die in Österreich nach 1938 in BdM und HJ aufging, und es fanden dort zahlreiche Treffen statt.

Die Angst vor der Gestapo hielt an, aber die Familie wurde von niemandem denunziert.

Die Malerin Irma Rafaela Toledo

Irma Rafaela Toledo überlebte, aber beinahe alle ihre Verwandten kamen in NS-Konzentrationslagern um. Für sie begann nun ein neues Leben. Sie tauchte aus dem Untergrund auf und begann zu malen.

Sie nutzte vorerst die Sonntage, wenn ihr Mann mit den Kindern spazieren ging, und malte vor allem Naturerlebnisse, Wiesen, den Göll. ‚Ich musste einfach von innen heraus malen, es war für mich ein Erkenntnisweg.‘ Erst jetzt legt sie sich den Künstlernamen Toledo zu, nach dem Grillparzerstück ‚Die Jüdin von Toledo‘.

1951 waren erstmals Bilder von ihr im Künstlerhaus ausgestellt, 1952 fand sie Aufnahme in die legendäre ‚Salzburger Gruppe‘.

Sie arbeitete bis ins hohe Alter als Malerin, lehrte auch in Kursen und war eine interessante Atelier-Gesprächspartnerin. Sie bestritt nationale und internationale Ausstellungen und widmete ihren künstlerischen Nachlass der Hilfsorganisation ‚Menschen für Menschen‘.

Irma Rafaela Toledo starb im Jahr 2002 in Salzburg.

Werk

Die Künstlerin malte nie unmittelbar vor der Natur, sie konzentrierte sich mit den Jahren immer bewusster auf die Innenschau und ließ sich von geistig-religiösen Beweggründen motivieren.

Ein Selbstportrait ist im Besitz des Salzburg Museums.

Die Ausstellung ‚Die frühen Bilder‘ ist den ersten beiden Jahrzehnten Toledo´s als Malerin gewidmet, einer Zeit, in der sie zusammen mit der Salzburger Gruppe (Breiter, Engelsberger, Hradil, Muthspiel, Toledo, Watenphul) in der Nachkriegszeit mehrmals auf der Insel Ponza war. Dort entstand ihr erstes Ölbild (rückseitig eigenhändig bezeichnet). Ihre Malerei zeigt sich in frischer Farbigkeit und narrativem Sujet, die Portraits sind unprätentiös und eindringlich (Florence Newton), die Landschaften strahlen enorme Ruhe aus. Zwei Aquarelle aus Israel (beide 1955) gesellen sich hinzu: der Bazar (Sidni Agi) und die Moschee mit Minarett (Acco).

So frisch die Farbigkeit und der Schwung der 50er Jahre ist, so düster zeigt sich die Malerin in den 60er Jahren. Imaginierte Unterwasserlandschaften, Endzeitstimmungen und entvölkerte Naturerscheinungen prägen den Charakter. Dazwischen erzählt sie aber immer wieder aus ihrem Leben, beispielsweise im Bild ‚Stegerstraße‘, wo sie bis wenige Jahre vor ihrem Tod wohnte. Hier zeigt sich auch die stilistische Verwandtschaft mit Trude Engelsberger am deutlichsten. Auch das Doppelportrait ‚Meine Enkel‘ erzählt aus ihrem Leben, hell und naturalistisch, aber ernst im Ausdruck.