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Werner Alvo von Alvensleben (1.8.1889 in Kassel – 24.3.1962 in Bioggio bei Torricella) war ein Maler auf der Höhe seiner Zeit. Wie viel Maler der Jahrhundertwende, war auch er Autodidakt, verschreib sich aber niemals dem konservativen Zeitgeschmack und wurde so auch nie zum Auftragsmaler. Er war ständig ein Suchender. Mit den Schlüsselwerken seines Oevre zählt er sicher zu den unterschätzen Expressionisten der deutschen Malerei.

Alvensleben wurde in eine deutsche Adelsfamilie hineingeboren. Sein Vater war der Major und Direktor der Kriegsschule in Glogau Werner Konstantin v. Alvensleben (1851-1896) a. d. H. Eichenbarleben, seine Mutter Julie v. Miller zu Aichholz (1863-1942). Bereits mit sechs Jahren verlor er seinen Vater. Er machte das Abitur in Eisenach am Humanistischen Gymnasium, das schon Luther und Bach besucht hatten, und studierte Jura und Nationalökonomie in Genf, München, Berlin und Marburg. Kurz vor dem Referendarexamen erkrankte er an Tuberkulose, die er erst nach acht Jahren und wiederholten Aufenthalten in Arosa vollständig ausgeheilt hatte. Da er infolge seiner Krankheit dienstuntauglich war, wurde er im 1. Weltkrieg als Ziviladjudant eingesetzt, organisierte das Rote Kreuz in Hessen sowie das große Lazarett Mathildenhöhe.

Im Jahre 1913 heiratete er Gisela Freiin v. Bothmer (1893-1982). Sie wurde – ungewöhnlich für eine Frau in der damaligen Zeit – eine berühmte Bobfahrerin. Kinder dieser Ehe sind Ingola (* 1915-2002), verheiratet mit Mario Gasperi, Vincenz-Alvo (* 1917-1994), Reimar, genannt Reili (* 1921-1992) und Bodo-Johannes (1927-2013).

Schon während seines Studiums ging Werner Alvo seinen künstlerischen Neigungen nach, um nach dem Kriege freier und selbstständiger Maler zu werden – allerdings mit einem beträchtlichen Vermögen im Hintergrund. Er war Erbe der Fideikommisse der Generäle Gustav und Constantin v. Alvensleben-Eichenbarleben. So konnte er Ausstellungen in verschiedenen europäischen Großstädten durchführen und Teile seiner Lyrik veröffentlichen. Schon damals lebte er hauptsächlich in der Schweiz. Seine internationalen Verbindungen regten ihn an, eine übernationale Künstlervereinigung für selbstständig geistig schöpferische Menschen zu gründen, die sich bald in viele europäische Länder ausbreitete und nach seinem damaligen Wohnort die “Porza” genannt wurde.

Während er sich so voll und ganz dem künstlerischen und geistigen Leben und der Völkerverständigung widmete, wurde seine wirtschaftliche Lage immer schlechter. Das Erbe der Generäle Gustav und Constantin v. Alvensleben fiel der Inflation zum Opfer. Den Nationalsozialisten verdächtig geworden mußte er das Haus seiner Mutter in Darmstadt aufgeben und nahm die Schweizer Staatsbürgerschaft an. Die dortigen Möbel, Bibliothek, Archiv und Bilder lagerte er in einem Depot in Darmstadt, das im Kriege durch eine amerikanische Fliegerbombe zerstört wurde.

Sein Sohn Reili beschrieb die weitere Entwicklung wie folgt: “Nachdem mein Vater seinen Besitz auch hier im Tessin durch finanzielle Ignoranz verloren hatte,

Werner Alvo von Alvensleben, Ölbild auf Leinwand, Alpenglühen

“Alpenglühen”, Öl auf Lw, 1914

zogen wir in ein kleines Dorf, Torricella, wo wir ein komisches, vollkommen verbautes Haus mieteten mit etwa 3000 qm Land. Dort zog mein Vater Blumen, Gemüse und Beeren. Durch deren Verkauf, außer den sporadischen, überraschenden Bilderverkäufen und den beiden sehr kargen Pensionen, die meine beiden Großmütter erhielten, gelang es ihm, uns alle durchzubringen – wir waren meist zehn Personen. Es war ein wahres Künstlerleben und wir waren alle äußerst glücklich”.

Nach dem 2. Weltkrieg suchte er wieder den Kontakt zur Familie in Deutschland. Es entstand ein reger Schriftwechsel und Gedankenaustausch. Er schrieb: “Ich kam zu der Überzeugung, dass die Familie der Kernpunkt des Lebens sei, die eigene mit Frau und Kindern, die große Familie sei es in demselben oder in einem anderen Land. Der Kristallisationspunkt für einen AIvensleben aber ist seine Verwandschaft in Deutschland”. Seinen Wunsch, noch einen Familientag in Deutschland besuchen zu können, konnte er aus finanziellen Gründen nicht mehr realisieren.

Werner Alvo stirbt verarmt am 24.3.1962 in Bioggio bei Torricella.

Literatur

  • Werner Alvo von Alvensleben: Das hohe Lied der Farbe. Axel Juncker Verlag Berlin, ohne Jahr, 54 S.
  • Werner Alvo von Alvensleben: Gedanken und Stimmungen. Axel Juncker Verlag Berlin, ohne Jahr, 92 S.
  • Werner Alvo v. Alvensleben: Lieder von den Urquellen des Lebens (Ein Lied der Liebe). Falkenverlag zu Darmstadt, ohne Jahr, 42 S.
  • Hellmut Kretzschmar: Geschichtliche Nachrichten von dem Geschlecht von Alvensleben seit 1800. Burg 1930, S. 144
  • Rudolf Manasse-Moriss: Un Homme D’ Action: Alvensleben. Revue D’ Allemagne. 7. Annee – Nr. 66 15. Avril 1933, S. 343-347.
  • Ks (Kürzel): Was war die Porza? Journal Nr. 7, Lausanne Dezember 1950.
  • Raimondo Locatelli, Adriano Morandi: Homines loci Torrexelle et Tabernarum. Patriziato e Commune di Torricella-Taverne 2012, P. 610-614: Famiglia von Alvensleben, dignita e simpatica

Sammlungen / Museumsbesitz

Viele seiner Arbeiten befinden sich in Museumsbesitz (zb in Darmstadt), die meisten Bilder sind allerdings in privaten Sammlungen.