Naturgemäß fragt sich der Neuling im Kunsthandel, worauf er achten sollte. Doch nicht nur der Neuling sollte sich diese Frage stellen, auch derjenige, der schon im Kunstkauf tätig ist, sollte diese Frage immer neu stellen. Vor allem online ist Vorsicht geboten.

Als erstes ist anzuraten, die Quelle zu verifizieren. Bei Art4Public ist das zum Beispiel der Urheber (Künstler) oder der Händler, und mit dem tritt der Käufer direkt in Kontakt, er spricht also nicht anonym mit einer Maschine. Der erste hat kein Interesse, seine Bilder zu fälschen, ja er kann sie gar nicht fälschen, denn selbst eine Fälschung seiner eigenen Kunst wäre ein Original. Der andere hat eine Haftung zu erfüllen. Somit ist die Authentizität des Werks einmal recht sicher. Dennoch existiert natürlich das Problem der Fälschung. Diese Frage wird in einem anderen Artikel dargestellt: „Fälschung der Kunst, Kunst der Fälscher“

Das zweite und viel häufigere Problem im Kunsthandel und noch mehr im Onlinehandel (vor allem auf unspezifischen Plattformen wie ebay oder Willhaben etc.) ist die Falschbezeichnung. Gerade auf Ramschplattformen werden sehr oft beispielsweise einfache Offsetdrucke als Lithographie bezeichnet, auch Offsetlithographie ist eine häufige Falschbezeichnung. Eine Lithographie unterscheidet sich nicht nur in der begrenzten Auflage von einem beliebig wiederholbaren Druck, es ist auch der Vorgang ein völlig anderer. Man erkennt mit einer starken Lupe (Fadenzähler) sofort, ob es sich um einen Druck handelt, denn der hat einen Punkt-Raster in vier Farben (Cyan, Magenta, Yellow und Tiefe=Schwarz / CMYK). Es gibt verschiedene Rasterformen (zb wabenförmig etc), aber alle sind erkennbar als die vier Grundfarben und nur in der Überschneidung ergibt sich eine weitere Farbe. Das Bild rechts zeigt einen solchen Raster.

Die Lithographie hat unter demselben Mikroskop kleine unregelmäßige Flecken in jeder Farbe, die eben am Papier erscheint, also z.B. Grün. Im Offsetdruck setzt Grün sich aus Blau (Cyan) und Gelb (Yellow) im Auge rein optisch zusammen. (Im Pointilismus wird dieses optische Phänomen künstlerisch genutzt). Die Flecken sind unregelmäßig. Es könnte ein Siebdruck mit dem Offset verwechselt werden, denn auch der hat eine Art Raster. Dieser ist meist mit dem freien Auge erkennbar, weil die Siebe viel grober sind als ein Offset-Raster.

Eine Radierung ist am leichtesten am Platteneindruck erkennbar, der im weichen Papier eine Vertiefung hinterlässt. Vorsicht vor Betrügern, die eine Kupferplatte auf einen Druck pressen und so einen betrügerischen Vorgang einleiten wollen. Der Druck selbst wäre aber auch wie oben erkennbar. Zumindest wenn er vielfärbig ist. Bei reiner Strichzeichnung (v.a. beim Lichtdruck) ist eine Unterscheidung schon wesentlich schwieriger und sollte einem Fachmann überlassen werden. (Dasselbe gilt für Federzeichnungen. Eine solche ist zwar in den sehr dunklen Stellen – zb Flecken mit viel Tusche- am Glanz erkennbar. Einfach schräg bei gutem Licht oder Sonne draufschauen. Aber bei Unsicherheit doch lieber einen Fachmann fragen.)

Für jede Druckgraphik gilt, dass sie nummeriert und signiert sein muss. Manchmal gibt es auch Probedrucke, die mit E.A., E.D.A. oder Probedruck bezeichnet sind. Dabei unterscheidet man zwischen einem echten Probedruck (er unterscheidet sich in Details von der Auflage) und dem überzähligen Exemplar. Der Drucker fertigt immer ca 10% mehr Abzüge an, als der Künstler benötigt, der dann aussschießen kann und die ürbig gebliebenen als Künsterleexemplare römisch nummeriert und/oder ein paar mit Probedruck.
Eine Nummer ist keine hundertprozentige Garantie (weil fälschbar wie auch die Unterschrift), und wenn jemand die alte Platte findet und weiterdruckt (Raubkopie), könnte er Fälschungen erstellen. Aber irgendwann taucht ein zweites Mal z.B. die Nummer 35/100 auf und man geht der Sache nach und kommt so auf den Raubdrucker. Im offiziellen Handel -auch auf Art4Public- ist dieses Frage durch das Authentifizieren einer wahren Person (die im Ernstfall klagbar ist) äußerst stark minimiert.

Das dritte ist der Preis. Ist er gerechtfertigt? Und hier sind wir an einem sehr wichtigen Punkt angelangt, denn der Preis ist dem eines anderen Gegenstandes der täglichen Bedürfnisse nicht vergleichbar, weil er von mehr Faktoren abhängt. Es gibt etwa keine Kunstpreisbindung wie im Buchhandel, aber was in Galerien gehandelt wird, hat defacto sehr wohl quasi eine Bindung, denn kein Galerist wird akzeptieren, dass derselbe Künstler woanders billiger verkauft. (Das führt uns zur Frage: Muss man bei Vertragskünstlern, die nur in einer Galerie ausstellen dürfen, aufpassen? Ich sage JA! – Siehe unten im Text Pkt 2)

Man muss unterscheiden:

  1. Bei jenen Künstlern, die rege in internationalen Auktionen gehandelt werden, ist der Preis in der Mischung der Ergebnisse grundsätzlich zu ermitteln (Betonung auf mitteln). Wichtig zu erwähnen ist, dass die Auktionspreise genau zu analysieren sind, denn die Zuschläge sind NICHT die Verkaufspreise. Zudem muss man bedenken, dass meist ein Käufer in einer Auktion nicht bis zum letzten geht, er möchte ja auch günstig kaufen [i]. Zu bedenken ist auch, dass die höhere Qualität ebenso einen unterschiedlichen Preis ausmacht, wie die Beliebtheit oder Seltenheit (Rarität) eines Themas. Bei vielen Künstlern ist auch das Frühwerk als Besonderheit zu sehen, oft teurer obwohl nicht zwangsläufig besser. Die “Taube” von Picasso ist sehr gut gezeichnet, v.a. für einen Schüler, aber erreicht nicht die ausgemessene Qualität einer reifen Zeichnung; erste ist unbezahlbar, zweite “nur” teuer.
  2. Ist der Künstler nun aber neu, jung, wild oder was auch immer, ist er also noch nicht etabliert im Kunstmarkt, ist sein Preis jener, den er verlangt. Das kann der Käufer akzeptieren oder nicht. Ist der Künstler vernünftig, wird er seinen Gesamtaufwand wie ein Mechaniker verdoppeln, damit er später in einer Galerie den Preis halten kann. (Natürlich gibt es immer wieder junge Künstler, die sich selbst überschätzen und Phantasiepreise verlangen – vlg Beitrag: Wie gestalte ich als junger Künstler meinen Preis vernünftig?) Der Kunsthandel ist da schon ein besserer Gradmesser, denn Händler versuchen den Künstler preislich “vernünftig” zu machen. Leider ist das nicht in allen Fällen so, v.a. Galeristen, die Knebel-Verträge mit Künstlern machen, wollen ihn um jeden Preis pushen und nehmen oft wenig Rücksicht darauf, ob der Preis marktgerecht ist; verbrennt der Künstler, steht ja schon der nächste vor der Türe. In keinem Fall ist anzuraten, im Atelier zu kaufen, wenn man AUCH ein wenig drauf hofft, dass der Künstler werthaltig bleibt oder im Wert steigt. Der Käufer glaubt vielleicht, der einzige zu sein, der überhaupt im Atelier kaufen darf, aber er ist es definitiv nicht. (Künstler, die im Atelier verkaufen, haben eine Menge Freunde!) Je mehr im Atelier kaufen, desto sicherer steigt der Kunsthandel aus und Auktionen gibt es auch keine; der Besitzer wird ewig warten. Es beginnt sich nämlich dann die Preisspirale nach unten zu drehen, denn der erste kauft ein Bild und möchte den Anteil des Galeristen mit dem Künstler teilen. Der zweite handelt besser, er möchte den größeren Teil des Galeristen-Anteils; und des Künstlers Not ist für beide ein schlechter Ratgeber. Der Künstler weiß grade nicht, wie er Milch in den Kühlschrank bekommt und macht den Deal. Der neue Besitzer erzählt das bei einem Abendessen seinem Freund, der möchte auch kaufen; aber er kommt und setzt den Künstler in Kenntnis, dass er über seine Atelierpreise Bescheid weiß. Am Ende sagt er, er würde aber 3 Bilder kaufen und schon wird der Preis noch niedriger. In der Zwischenzeit hat ein anderer Künstler aber den Weg über den Handel gewählt, verkauft nicht im Atelier und steigt im Preis. Sehr bald hat er den Kollegen eingeholt, obwohl er an den Handel Prozente abgibt und nun beginnen sich die zwei preislich auseinander zu entwickeln. Für den Sammler aber zeigt sich: Der eine wird teurer und erzielt auch schon Auktionspreise, der andere stagniert oder wird gar billiger, in Auktionen taucht er nicht auf oder geht maximal zum Rufpreis weg. Wer war nun der Dumme? Und vor allem: Wird er nach wie vor ein “Freund” des Künstlers sein und weiterkaufen?

All das oben gesagte, gilt auch für den Onlinehandel. Im Zeitalter von Internet ist es relativ einfach, an Informationen zu kommen, aber andererseits auch einfach, an den Falschen zu geraten. Jedem Sammler sei deshalb angeraten, seinem Instinkt zu vertrauen und das zu erwerben, woran der er Freude hat. Sollte sich herausstellen, dass er den Griff in die richtige Schublade getan hat, so darf er sich herzlich freuen und wir freuen uns mit ihm.

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[i] Ich rechne zum Zuschlag den Aufpreis (und ggf. die MWST) hinzu, gebe zehn Prozent drauf und komme so auf ein vernünftiges Mittel – als Verkäufer in Auktionen muss man dasselbe beachten, denn wenn ein Händler nur 50% bezahlt, glaubt man, in Auktionen besser zu fahren. Dem ist nicht so. Das Auktionshaus nimmt in der Regel 20-25% vom Verkäufer und hat ein Aufgeld von 25%. Auktionen haben zudem noch Sonderkosten für Limite, Abbildungen etc. und wenn sie den Normalpreis nicht erzielen, ist man ebenso der Dumme, wie wenn man NICHT einrechnet, dass ein Käufer ja auch günstiger als im Handel kaufen möchte und dass er das Aufgeld bei seinem Gebot natürlich einrechnet und von seinem Höchstgebot abzieht. Als Einbringer bin ich dann schon beim selben Preis wie beim Händler, der zum Ankauf ja oder nein sagt, das Auktionshaus aber sagt immer vielleicht. Nun ist nur noch die Frage, ob der Preis des Händlers realistisch war.